Mein ESK bei der Stadt Tampere – Aufgaben und Alltag
Wie sieht der Alltag während eines ESK in Finnland eigentlich aus? In diesem Artikel nehme ich dich mit in mein Jugendzentrum in Tampere und erzähle von meinem Arbeitsalltag sowie meinen Erfahrungen im Bereich Youth Services.
FINNLAND
5/17/20263 min read
Mein Start in Finnland
Während meiner sechs Monate in Finnland war ich als ESK Volunteer im Bereich Youth Services der Stadt Tampere tätig. In den ersten Monaten habe ich hauptsächlich in einem Jugendzentrum gearbeitet. Im Sommer war ich häufig auf einem Verkehrsübungsplatz für Kinder eingesetzt, habe aber auch bei verschiedenen Sommeraktivitäten und in anderen Jugendzentren unterstützt.
Aber fangen wir von vorne an. Anfang März bin ich nach Finnland geflogen. Weil es nicht nur mein erster Flug alleine, sondern überhaupt mein erster Flug und ich super aufgeregt war, habe ich mich in den Tagen davor mehr als einmal gefragt: Warum mache ich das eigentlich nochmal?
Aber – Überraschung – ich bin gut angekommen und hatte die Zeit meines Lebens (also definitiv nicht beim Flug selbst, sondern in Finnland).
Die ersten Tage waren perfekt, um langsam anzukommen. Meine Koordinatorin hat uns zunächst alles gezeigt, damit wir nicht direkt komplett auf uns allein gestellt waren. Gemeinsam haben wir auch „mein“ Jugendzentrum besucht, damit ich meine Kolleg*innen kennenlernen und mich orientieren konnte.
Mein Arbeitsalltag im ESK
Jugendzentrum
Während meines gesamten ESK habe ich in der Regel sieben Stunden am Tag gearbeitet.
Im Jugendzentrum hatte ich von Mittwoch bis Samstag Dienst, Sonntag und Montag waren meine freien Tage. Dienstags war ich gemeinsam mit den beiden anderen Freiwilligen im Büro der Youth Services. Dort haben wir internationale Aktivitäten für Jugendliche geplant, die wir später am Nachmittag angeboten haben.
Im Jugendzentrum selbst habe ich meistens um 14 Uhr angefangen. Ab 15 Uhr war offiziell geöffnet und um 21 Uhr endete mein Arbeitstag.
Das Jugendzentrum, in dem ich gearbeitet habe, liegt im Stadtteil Rantaperkiö und wird von allen einfach nur „Rantsu“ genannt. Damit du dir ungefähr ein Bild machen kannst, hier ein kleiner Einblick: Rantsu ist ein gaming-spezifisches Jugendzentrum. Dort gibt es mehrere Computer-Gaming-Setups, Playstations, Xboxes, Guitar Hero, Nintendo Switch und natürlich jede Menge Gesellschaftsspiele. Außerdem befinden sich im Jugendzentrum mehrere Sofaecken und eine Küche mit Sitzmöglichkeiten. Die Jugendlichen konnten sich dort auch selbst etwas kochen – meistens bedeutete das allerdings eher, eine Pizza in den Ofen zu schieben.
Meine Aufgaben waren dabei sehr unterschiedlich: mit Jugendlichen Mario Kart oder Uno spielen, gemeinsam backen, bei Englisch-Hausaufgaben helfen oder einfach Zeit mit den Jugendlichen verbringen und reden.
Besonders schön fand ich, dass ich mich immer so einbringen konnte, wie ich mich wohlgefühlt habe. Alles konnte, nichts musste.
Und manchmal hat Kommunikation auch einfach ohne gemeinsame Sprache funktioniert. Eine Jugendliche kam zum Beispiel regelmäßig ins Jugendzentrum und wir haben oft zusammen Karten gespielt oder etwas gebacken – obwohl wir uns sprachlich teilweise nur schwer verständigen konnten.
Traffic Park
Im Sommer schließen viele Jugendzentren – darunter auch Rantsu.
In dieser Zeit habe ich bei verschiedenen Sommeraktivitäten der Youth Services unterstützt. Häufig war ich dabei auf einem Verkehrsübungsplatz für Kinder tätig.
Dort lernen Kinder spielerisch die wichtigsten Verkehrsregeln. Bevor sie losfahren dürfen, bekommen sie zunächst eine kleine Einführung zu den Verkehrsschildern und Regeln auf dem Platz. Danach erhielten die Kinder einen Stempel als Nachweis für ihre bestandene „Prüfung“.
Anschließend durften sie mit kleinen Fahrzeugen über den Platz fahren. Da immer nur eine bestimmte Anzahl an Kindern gleichzeitig unterwegs sein durfte, habe ich die „Fahrkarten“ eingesammelt und den Kindern geholfen, ihre Sitze richtig einzustellen, damit sie gut an die Pedale kamen.
Mein persönliches Highlight war eine deutsche Familie, der ich plötzlich alles auf Deutsch erklären konnte.
Neben der Arbeit in „meinem“ Jugendzentrum und im Traffic Park durfte ich noch viele weitere spannende Erfahrungen sammeln. Mein Freiwilligendienst war unglaublich vielfältig und hat mir einen tollen Einblick in die Jugendarbeit in Tampere gegeben.
Es gibt zum Beispiel ein Wohnmobil, das als mobiles Jugendzentrum unterwegs ist und bei dem ich einige Male dabei sein durfte. Außerdem konnte ich Schulen besuchen und mir anschauen, wie dort Jugendarbeit umgesetzt wird.
Ein besonderes Erlebnis war auch der Austausch mit anderen Freiwilligen aus einem Eco Village. Wir haben ihnen die Stadt Tampere und die Youth Services gezeigt und im Gegenzug einen Tag in ihrem Eco Village mitgearbeitet.
Außerdem habe ich gemeinsam mit einer Gruppe Jugendlicher einen Tag lang Müll im Stadtpark gesammelt.
Die Liste könnte ehrlich gesagt noch ewig weitergehen und ich bin unglaublich dankbar für all diese Erfahrungen und Möglichkeiten.
Meine Koordinatorin hat sich wirklich Mühe gegeben, so viel wie möglich aus unseren sechs Monaten herauszuholen – und das ist ihr definitiv gelungen.
Mein Fazit zum Arbeitsalltag im ESK
Mein Freiwilligendienst bei der Stadt Tampere war wirklich unglaublich abwechslungsreich.
Vom Jugendzentrum über Sommeraktivitäten bis hin zum täglichen Austausch mit Jugendlichen und Kolleg*innen – jeder Tag war anders und genau das hat die Zeit für mich so besonders gemacht.
Vor allem habe ich mich im Bereich Youth Services unglaublich willkommen gefühlt. Rückblickend würde ich dieses Projekt jederzeit wieder wählen.
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