Finnland – sechs Monate Leben, Natur und Freiwilligendienst
Sechs Monate habe ich in Finnland gelebt- aber was habe ich dort eigentlich, neben der Erkundung des Landes, gemacht?
In Finnland habe ich sechs Monate gelebt – genauer gesagt in Tampere, der zweitgrößten Stadt des Landes.
Deshalb erwarten dich auf meinem Blog besonders viele Beiträge über Finnland: darüber, was ich dort gemacht habe, über die beeindruckende Natur und Nationalparks sowie über viele hoffentlich hilfreiche Tipps für deine eigene Reise.
Stöber also gerne durch und lass dich inspirieren von einem wunderschönen Land mit unglaublich tollen Menschen.
Mein Auslandsabenteuer in Finnland
Sechs Monate in Finnland zu verbringen, ist vielleicht nicht für jede Person die erste Wahl. Ein südlicheres Land mit Strand und heißen Temperaturen wirkt auf den ersten Blick oft attraktiver – arbeiten, wo andere Urlaub machen.
Für mich hat sich Finnland aber genau so angefühlt: wie Urlaub – für die Seele.
Die unglaubliche Natur, die starke Verbundenheit zur Umwelt, die geringe Bevölkerungsdichte und die finnische Kultur machen Finnland zu einem sehr besonderen Ort. Ich komme bis heute gerne dorthin zurück, um dieses Gefühl des Runterkommens und Erdens wiederzufinden.
Warum Finnland – und wie ich dort gelandet bin
Nach meinem Bachelorstudium wollte ich unbedingt ins Ausland. Gleichzeitig war mir wichtig, eine Möglichkeit zu finden, die ich finanziell stemmen konnte – zum Beispiel, weil ich nicht mehr familienversichert war.
Bei meiner Recherche bin ich auf das Europäische Solidaritätskorps (ESK) gestoßen.
Was ist das Europäische Solidaritätskorps (ESK)?
Das Europäische Solidaritätskorps (ESK) ermöglicht jungen Menschen zwischen 18 und 30 Jahren, sich in einem gemeinnützigen Projekt zu engagieren – im In- oder Ausland.
Es gibt dabei drei Formate:
· Solidaritätsprojekte (eigene Projekte)
· Freiwilligenteams
· Individueller Freiwilligendienst – so wie ich ihn in Finnland gemacht habe
Für einen individuellen Freiwilligendienst registriert man sich im European Youth Portal und erstellt dort ein Profil mit Lebenslauf. Zusätzlich benötigt man eine Entsendeorganisation im Heimatland.
Meine Entsendeorganisation war das Jugendwerk der AWO Baden-Württemberg. Eine Übersicht möglicher Organisationen findet man ebenfalls im Youth Portal.
Über das Portal kann man dann gezielt nach Projekten im Ausland suchen und sich bewerben. Die Einsätze dauern bis zu 12 Monate, in meinem Fall sechs Monate.
Finanzierung & Organisation im ESK
Ein großer Vorteil des ESK: Alle grundlegenden Kosten sind gedeckt:
· Unterkunft & Verpflegung
· Reisekosten (Pauschale je nach Entfernung)
· Versicherung
· Taschengeld
Ich war als ESK-Freiwillige im Bereich Youth Services der Stadt Tampere tätig – und hier beginnt mein nächstes kleines Loblied.
Die Organisation war außergewöhnlich gut:
Um Wohnung, Möbel oder Alltagsgegenstände musste ich mich nicht kümmern. Ich habe mir eine Wohnung mit zwei anderen ESK-Freiwilligen geteilt, jede von uns hatte ein eigenes Zimmer. Natürlich gab es im Gebäude auch eine Sauna, die kostenlos gebucht werden konnte – Finnland eben.
Auch Waschmaschinen, Möbel und Grundausstattung waren organisiert. Da ich in Deutschland nicht mehr familienversichert war, lief meine Krankenversicherung über das ESK (über Henner). Arztkosten habe ich zunächst selbst bezahlt und später problemlos erstattet bekommen.
Für Lebensmittel hatten wir eine Einkaufskarte einer finnischen Supermarktkette mit einem monatlichen Budget von 280 € – absolut ausreichend. Die Lebensmittelpreise empfand ich ähnlich wie in Deutschland, Drogerieartikel wie Shampoo oder Deo dagegen deutlich teurer.
Zusätzlich bekam ich:
eine Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr in Tampere
Taschengeld von 6 € pro Tag (ca. 180 € im Monat)
Kurz gesagt: Alle Lebenshaltungskosten waren abgedeckt.
Mein Freiwilligendienst in Tampere
Ich war von März bis August in Finnland.
Von März bis Mai habe ich in einem Jugendzentrum gearbeitet. Die Jugendzentren der Stadt Tampere sind generell großartig – meines war aber natürlich besonders toll.
Das Jugendzentrum im Stadtteil Rantaperkiö ist ein Gaming-spezifisches Jugendzentrum mit voll ausgestatteten PC-Gaming-Plätzen, Playstation, Xbox und Switch. Neben täglichen Mario-Kart-Runden haben wir gemeinsam gebacken (zum Beispiel Brezeln oder Streuselkuchen) und Karten gespielt.
Im Juni und Juli schließen viele Jugendzentren, weshalb ich in dieser Zeit überwiegend in einem Traffic Park, einem Verkehrsübungsplatz für Kinder, gearbeitet habe.
Während des gesamten Einsatzes waren alle Kolleg:innen unglaublich unterstützend. Jede:r Freiwillige hatte außerdem eine Mentorin für Fragen, Unterstützung und regelmäßigen Austausch. Meine Mentorin ist heute eine enge Freundin geworden.
Ein weiteres Highlight war das On-Arrival Training, das man bei Einsätzen ab sechs Monaten besucht. Dort habe ich viele andere Freiwillige aus der ganzen Welt kennengelernt, die ebenfalls ihr ESK in Finnland absolviert haben.
Mein Fazit zum ESK in Finnland
Ich hoffe, ich konnte ein gutes Bild vom Europäischen Solidaritätskorps und meinem Freiwilligendienst in Finnland zeichnen.
Diese Zeit war eine der schönsten und prägendsten meines Lebens.
Das ESK war für mich eine unglaubliche Chance, finanziell abgesichert ins Ausland zu gehen, in einem sinnvollen Projekt zu arbeiten und Menschen aus aller Welt kennenzulernen.
Für mich war es eine intensive Zeit des Wachsens, Austauschens, Reflektierens und Lebens – und Finnland wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.